- Pfuhler Ried -



Gleisanlagen im Pfuhler Ried




Daten SWU, Stand Nov. 1976
(Plan anklicken zum Vergrößern)


Eine militärische Vorgeschichte haben die Industriegleise im Pfuhler Ried.
Ab 1890 legte man südlich der Hauptstrecke nach München ein Nebengleis zu einem 1893 fertiggestellten neuen Artillerie-Nebendepot bei Offenhausen an.
Etwa auf Höhe des Abzweigs ins spätere Industriegebiet Starkfeld biegt das Nebengleis nach Osten von der Illertalbahn ab und verzweigte sich in einen nördlichen Ast für die Beladung der Fourage-Wagen und einen südöstlichen Zweig in ein Munitions-Depot.
Die ausschließlich militärische Nutzung dieser Anschlüsse endete nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis dahin gehörte das Gelände zum Heereszeugamt.


um 1940
Quelle: BayernAtlas Historische Karten 1940, atlas.bayern.de
Quelle: BayernAtlas, atlas.bayern.de


Die Gleisanlagen blieben nach dem Krieg jedoch erhalten, die Gebäude und Grundstücke wurden nun hauptsächlich durch Neu-Ulmer Betriebe zivil genutzt und ihren Bedürfnissen nach umgestaltet. Durch die benachbarte US-Armee aus den Nelson- und Wiley-Barracks behielten einzelne Anschlüsse allerdings eine militärische Nutzung.


Das entlang der Hauptbahn-Strecke nach Augsburg nach Osten führende Wagenabstell-Gleis wurde zum Stammgleis I. Das US-amerikanische Militär nutzte diesen Anschluß zur Verladung ihrer Fahrzeuge. Nach Auflösung der Garnison 1991 verlängerte man das Gleis bis in das neue Werk von EvoBus, ehemals Kässbohrer, heute Daimler Buses, und baute eine Umfahrung ein.


Das Ladegleis für Fourage-Wagen wurde zum Stammgleis II und diente in seiner Verlängerung dem Anschluss eines großen Holzwerkes (Oesterle), eines Schrotthändlers (Karletshofer) und eines Tanklagers der US-Armee. Im nördlichen Abschnitt des Gleises haben sich in den ehemaligen Fourage-Hallen die Sperrholzfabrik Carl Götz und der Lederwaren- und Helm-Hersteller Römer niedergelassen.


Der südliche Zweig, nun das Stammgleis III, ist schon während des Ersten Weltkriegs um mehrere Gleise nach Süden erweitert worden um so die Bunker und Magazine des vergrößerten Artillerie-Depots besser bedienen zu können.
Große Teile des östlichen Geländes nahm nach dem Zweiten Weltkrieg das Metallschmelzwerk Konzelmann ein. Im westlichen Teil kam die Möbelfabrik Mayer's Söhne unter.


um 1953
Quelle: BayernAtlas Historische Karten 1953, atlas.bayern.de
Quelle: BayernAtlas, atlas.bayern.de


Den Bedarf an Gewerbeflächen in den Wirtschaftswunderjahren konnte die Stadt Neu-Ulm nicht alleine im Starkfeld decken. Sie benötigte zusätzliche Grundstücke des 1908 eingemeindeten Ortsteils Offenhausen, zu dem allerdings noch ein etwas angespanntes Verhältnis bestand, weil die Landgemeinde einstmals wirtschaftlich viel bedeutender und größer in der Einwohnerzahl war als die noch junge Garnisonsstadt Neu-Ulm, von dessen Gemeinderat aber nach Beschluss der bayerischen Kreisverwaltung aber trotzdem hätte regiert werden sollen.
Gegen eine Erweiterung des ehem. Artilleriedepots nach Süden durch ein neues Gewerbegebiet hatten dann die Offenhausener jedoch nichts einzuwenden. Der Ulmer Busherstellter Kässbohrer konnte dort ab den 1960er Jahren eine neue Werkhalle und die Neu-Ulmer Spedition Honold weitere Lagerhallen errichten. Die Bilderleistenfabrik Aicham zog von der Reuttier Straße um in ein neues, größeres Fabrikgebäude in der Leibnitzstraße.


Quelle: SWU Verkehr
Quelle: SWU Verkehr


Die zunehmende Überlastung des Neu-Ulmer Containerbahnhofs und erste Überlegungen für einen Umbau des Neu-Ulmer Personenbahnhofs zur Beschleunigung des Verkehrs auf der Magistrale Paris-Stuttgart-München-Wien stießen Planungen zur Verlegung des Großbehälter-Umschlagplatzes an. Als ein möglicher neuer Standort war das ehemalige Artilleriedepot-Gelände im Pfuhler Ried in der Diskussion, stieß aber in der Offenhausener und Pfuhler Bevölkerung wegen des befürchteten Lärms auf Widerstand. Das neue Umschlag-Terminal Strasse-Schiene wurde dann in Beimerstetten gebaut.


Große Flächen beanspruchte dann die komplette Verlegung des ehemaligen Kässbohrer-Buswerkes aus der Ulmer Weststadt in das Pfuhler Ried Anfang der 1990er Jahre.
Hier entstand später auch eine moderne Karosserie-Lackieranlage, in der auch die Chassis und Aufbauten der Daimler-Busse lackiert werden. Seit 1995 gehörte Kässbohrer im Zusammenschluß mit der Bus-Sparte von Daimler als EvoBus GmbH zum Daimler-Konzern. In diesem Produktionsverbund wurden zwischen Mannheim als Fertigungstätte aller Stadtbus-Rohkarosserien, Lignyin Frankreich und Neu-Ulm wöchentliche Ganzzüge gefahren.


Der Transport über die Schiene wurde bei Daimler Trucks, zu dem das Werk seit 2023 gehört, weitgehend eingestellt. Auch die umfangreichen Gleisanlagen des Schmelzwerkes Konzelmann, heute Oettinger Aluminium, sind inzwischen nahezu vollständig abgerissen. Vom Gleisanschluß von Holz-Oesterle und zu den Tankanlagen der US-Armee ist nur noch ein Stück Gleis in der Kreuzung der Lessingstraße übrig.




Nebenanschlussgleise / Nebenanschließer:

Abzweig Firma Adresse Zeitraum (ca.)
Weiche 300 Bahn-Umspannwerk
Weiche 301 Umsetzgleis
Weiche 303 US-Army Kopframpe, später verlängert zu EvoBus 1951 - 1991
Weiche 303
Mitbenutzer
Wölpert Baustofflager
Max-Eyth-Str. 18
1961 - 1
Weiche 306 Römer Lederfabrik Lessingstr. 5 bis 1994
Weiche 309 Carl Götz Sperrholzhandl.
später verlängert zu Welte Rohrbiegetechnik
Max-Eyth-Str. 26
Lessingstrasse 4/1
1949 - 1977
Weiche 311 Südd. Casala-Werke, Sitzmöbelfabrik Lessingstr. 4 1961 - 2000
Weiche 313 Konzelmann Metallwerke
danach Oettinger Aluminium
Max-Eyth-Str. 40 1951 - 1974/
bis heute
Weiche 316 Gebr. Oesterle Holzhandl. Lessingstr. 10
Max-Eyth-Str. 18
1958 - 2005
Weiche 316
Mitbenutzer
Telefunken Lessingstr.
Weiche 319 US-Army Tanklager 1951 - 1991
Weiche 319
Mitbenutzer
Karl Karletshofer, Metallverwertung
davor Lumpp u. Frick, Betonwerk
Lessingstr. 19 1980 - heute
Weiche 320 Dachser Spedition Max-Eyth-Str. 21 u. 38 1961 - 2011
Stammgleis IIb
Mitbenutzer
Mayer's Söhne Möbelfabrik Werk II
BLV Baumarkt
Max-Eyth-Str. 39 1949 - 1974
Weiche 321 Kässbohrer Werk 4
Weiche 323 Gebr. Aicham Leibnitzstr. 28
vorher Reuttier Str. 48 (Starkfeld)
bis 2011
Stammgleisende Renz, Spedition
später Honold
Leibnitzstr. 1987 - 2011

Die Angaben stammen überwiegend aus Plänen der SWU und sind nicht belegt bzw. vollständig.
Jahreszahlen geben an, in welchem Zeitraum die Firma an diesem Standort nachweisbar ist. Die genauen Daten, wann die einzelnen Anschlußgleise angelegt, benutzt und aufgegeben wurden, sind nicht bekannt.




Bilder aus der neueren Zeit


Umsetzgleis nördlich des
DB-Umspannwerks (2019)

ehem. Gleise zur US-Kopframpe,
heute Daimler Buses (2019)

Anschlußgleis Daimler Buses (2026)

Früheres Gleis zur US-Tankanlage (2026)

Auf Höhe Lessingstraße 21 (2019)

Abzweig zur früheren Firma Konzelmann (2019)

ehem. Werksgelände Konzelmann im Jahr 2026

Kreuzung Max-Eyth-Str. (2026)

Ende des Stammgleises (2019)